Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg

Das kaum wahrnehmbare Lächeln – Konzert-Performance mit Lesung

Freitag, 31. Mai 2024 um 20:00 Uhr, Palmaille

Werke:

Texte von Fjodor Dostojewski, Ernst Barlach, Alexej Nawalny und Julia Nawalnaya in Verbindung mit improvisierter Musik und Kompositionen von Alyssa Aska, Ruth Schontal, Klaus Lang, Ruth Wiesenfeld und Siegrid Ernst

Mitwirkende:

Frauke Aulbert (Gesang), Kerstin Petersen (Orgel), Ada Namani (Gong), Luisa Taraz (Lesung)

Veranster:

ALTONALE in Kooperation mit VAMH / Festival blurred edges und GEDOK Hamburg

Ein Programm zwischen drei Genres

Tickets für das Konzert gibt’s bei pay what you want oder an der Abendkasse

„Das unscheinbare Lächeln“ entsteht aus der Begeisterung der Akteurinnen für den Austausch zwischen den Genres, das Zusammenbringen verschiedener Künste und Künstlerinnen. Selten zu hörende europäische und amerikanische Komponistinnen und Autoren sind im Programm vertreten. Musik und Texte spannen einen weiten Bogen von 1977 bis heute. Der Schwerpunkt liegt auf Werken mit klassischen und  experimentellen Orgelspiel- und Gesangstechniken, die (wie z.B. in das kaum wahrnehmbare Lächeln von Klaus Lang) aus leisen, subtilen geräuschhaften Klängen bestehen, die das Publikum an Grenzerfahrungen  teilhaben lässt: Nebel -Transparenz, konkrete und entführende Klangkunst, fassbar – unfassbar.

Besonderheiten der Musik:

Aus der Zusammenarbeit mit der Komponistin Ruth Wiesenfeld entstand das Werk Nebelkammern. Hervorzuheben ist, dass dieses Werk mit einem besonderen Gong ausgeführt wird, dem so genannten Schlangen-Gong, der sich durch seine außergewöhnliche Größe und Klangtiefe auszeichnet, die mit den tiefen Frequenzen der Orgel korrespondieren.

Die Komponistin Alyssa Aska, 1985 geboren, ist Teil der Forschungsgruppe organon der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz / Österreich, die sich insbesondere mit der Entwicklung neuer  spieltechniken für (historische) Orgeln beschäftigt. Die Komposition im Wind basiert auf dem Kunstwerk „Wanderer im Wind“, 1934 von Ernst Barlach geschaffen. In der Biografie Barlachs spielen die beiden Metropolen Hamburg und Berlin eine große Rolle. Alyssa Aska hat sich intensiv mit der Skulptur „Wanderer im Wind“ auseinandergesetzt, insbesondere mit Barlachs verzweifeltem Kampf gegen die Anfeindungen  seiner Person und seiner Kunst durch die damaligen Machthaber, die sich auch in der Skulptur widerspiegelt. Sie zeigt einen schreitenden Mann, der sich mühsam durch den Wind kämpft und mit einer Hand den Hut auf dem Kopf festhält – die Gesichtszüge Barlachs sind deutlich erkennbar. In der aktuellen Klangschöpfung von Alyssa Aska wird das Kunstwerk auf kongeniale Weise neu erfahrbar.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Ruth Schonthal (1924-2006) stellen Frauke Aulbert und Kerstin Petersen dem Publikum das Werk These are the days aus „Seven Songs of Love and Sorrow“ in der eigens für dieses Projekt entwickelten Version für Sopran und Orgel vor. In Hamburg geboren, zog die jüdische Komponistin mit ihren Eltern nach Berlin, wo sie bereits im Alter von fünf Jahren als jüngste Schülerin am Stern’schen Konservatorium aufgenommen wurde. In den 1930ger Jahren galt sie in als „Wunderkind“, konnte jedoch ab 1935 als Jüdin ihre musikalische Ausbildung nur unter extrem erschwerten Bedingungen weiterführen. Die Familie emigrierte nach Stockholm, Mexiko, New York. Die Künstlerin musste mehrfach ein neues Leben in einer ihr völlig fremden Umgebung anfangen und einen neuen Wirkungskreis aufbauen. Gegenüber ihrer deutschen Heimat verbitterte sie dennoch nicht. Ruth Schonthal pflegte Zeit ihres Lebens enge Kontakte zur deutschen Kulturszene.

Das Signal (2012) stammt von der Komponistin Siegrid Ernst. Kurz vor ihrem Tod im Jahre 2022 schickte sie das Manuskript an die Organistin Kerstin Petersen, mit der Bitte, es aufzuführen und weiterzuverbreiten. Siegrid Ernst wob in die Klänge Gedichte von Rose Ausländer: „Vergesset nicht | es ist unsre gemeinsame Welt | die ungeteilte ach die geteilte | diese zerrissene ungeteilte Erde | auf der wir gemeinsam reisen“. Schon dieser kurze Auszug aus dem Gedicht macht deutlich, worum es in dem Werk geht: sich der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu werden und aktiv für die Gestaltung der „gemeinsamen“ Welt einzutreten.

Rose Ausländers Texte stammen aus der Sammlung Im Atemhaus wohnen: 1. Das Signal, 2. Werben, 3. Gemeinsam, 4. Hoffnung, 5. Noch bist du da. Sie werden in der Komposition zur Musik gelesen, quasi wie ein  Melodram. „ENDE.UMGESTALTUNG“, heißt es im Text, der die gemeinsame Sehnsucht ausdrückt: “Werben um Frieden und Liebe. […] Im Namen der Ermordeten. Im Namen der Liebenden.”