Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg

Frei von Sklaverei und Tod: Pessach beziehungsweise Ostern

Im Jahr 321 verfasste der Kaiser Konstantin ein Dekret, indem er den Kölner Juden gestattete, Ämter in der Verwaltung der Stadt anzunehmen. 2021 erinnern wir uns daran, dass Juden und Jüdinnen seit 1700 Jahren in Deutschland leben.

In einer gemeinsame Aktion veröffentlicht die ökumenisch verantwortete Kampagne #beziehungsweise –jüdisch und christlich: näher als du denkst jeden Monat ein anderes Plakat zu diesem Gedenkjahr, das auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede vom jüdischen und christlichen Glauben und Leben hinweist, u.a. das hier dargestellte mit Blick auf Pessach und Ostern.

Juden und Jüdinnen überall auf der Welt feiern zu Pessach eine Woche lang die Befreiung Israels aus der Sklaverei Ägyptens. Dieses Fest ist für jüdische Menschen – religiöse wie säkulare – seit uralter Zeit das zentrale, identitätsstiftende Fest, das jung und alt gemeinsam begehen. Während der Pessachwoche werden alle Getreideprodukte aus dem Haus geschafft und stattdessen die Matzah, das „ungesäuerte Brot“, gegessen.

Das eigentliche Fest beginnt mit dem Sederabend: Jede Familie oder Freundesgruppe versammelt sich zu einem festlichen Essen, das einer bestimmten Ordnung, einer „Seder“ folgt. Im Zentrum steht das gemeinsame Lesen der Haggadah, der alten Erzählung von der Befreiung aus Ägypten. Dazu werden symbolische Speisen verzehrt, die die Bitternis der Sklaverei verdeutlichen sollen. Dieses Ritual richtet sich an jeden der teilnimmt, Kinder und Erwachsene. Alle sollen sich als Teil dieser großen alten Geschichte fühlen.

Auch Jesus und seine Jünger haben das Pessachfest gefeiert bevor Jesus verhaftet wurde und am Kreuz starb. Und doch unterscheiden sich Pessach und Ostern. Ostern folgt einer anderen Erzählung. Im Neuen Testament wird die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem (Palmsonntag), von der Nacht in Gethsemane, von Verhaftung und Tötung Jesu bis hin zu seinem Begräbnis und der Auferstehung erzählt. Christen und Christinnen begehen die letzten Tagen Jesu über Gründonnerstag bis zu seinem Tod am Karfreitag und feiern dann die Freude der Auferstehung.

Gemeinsam aber sind Pessach und Ostern die Feier der Befreiung. Im Pessachfest ist es die Rettung aus der Sklaverei, im Osterfest die Befreiung von Tod und Schuld. Pessach und Ostern sind also nicht dasselbe – und doch miteinander verwandt.

Ulrike Litschel


Brennpunkt Belarus – Auch Reformierte tragen die Opposition mit

Seit 18 Jahren hat unsere Gemeinde Kontakte nach Belarus zur kleinen reformierten Gemeinde in der Hauptstadt Minsk. Mehrere Male hat auch eine Delegation unsere Partner vor Ort besucht. Zuletzt war Pastor Reiner Kuhn 2018 in „Weißrussland“, wie der Staat bei uns bis vor kurzem meist genannt wurde.

Für das Magazin reformiert sprach Ulf Preuß, Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Landeskirche, mit Reiner Kuhn. Wir veröffentlichen hier das Interview in Auszügen. Das gesamte Interview finden Sie in reformiert 1/2021.

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Wie positionieren sich Ihre belarussischen Partner im Konflikt zwischen den zehntausenden Demonstranten und den Machthabern im Land?

Mehrheitlich unterstützt die kleine reformierte Gemeinde den friedlichen Protest auf der Straße. Sie stellen Erste-Hilfe-Pakete bereit und verstecken sie am Straßenrand. Manche Gemeindeglieder haben Frauen und Männer aus den Händen der Polizei und der Sondereinheit befreit, ihnen unerschrocken aus den Händen gerissen! Die Solidarität und der Mut sind unglaublich groß!

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Gibt es auch in der Gemeinde Opfer der staatlichen Gewalt?

Zum Glück sind bisher keine Gemeindeglieder misshandelt worden. In der Vergangenheit wurden Gottesdienste durch den Geheimdienst bespitzelt. Und bei früheren Demonstrationen, etwa bei den Wahlen 2010, kam es zu kurzzeitigen Verhaftungen einiger Gemeindeglieder. Die reformierte Gemeinde ist offiziell nicht registriert. Sie erhält keine Förderung wie die belarussische orthodoxe Kirche, geschweige denn staatliche Gelder. Das macht sie angreifbar und zerbrechlich, gleichzeitig aber auch unabhängig und beweglich. Während der Proteste in den letzten Monaten hat mein Hauptansprechpartner durch staatlichen Druck seine Beschäftigung verloren.

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Gibt es Äußerungen Ihrer belarussischen Partner dazu, wie wir aus Deutschland ihnen helfen und beistehen können?

Unsere Partnergemeinde fordert uns auf, auf möglichst allen Kanälen die friedliche Demokratiebewegung zu unterstützen. Der Freiheitskampf auf der Straße ist auch ihr Kampf um religiöse Selbstbestimmung und Anerkennung. Und sie bittet uns, für die Menschen in Belarus zu beten. Eine konkrete Hilfe wären geistliche Patenschaften für politisch Inhaftierte. Dies schafft Öffentlichkeit und fördert bessere Haftbedingungen und rechtlichen Beistand. Die EKD – vielleicht ja auch unsere Landeskirche – könnte diese Unterstützung erwägen.