Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg

Brennpunkt Belarus – Auch Reformierte tragen die Opposition mit

Seit 18 Jahren hat unsere Gemeinde Kontakte nach Belarus zur kleinen reformierten Gemeinde in der Hauptstadt Minsk. Mehrere Male hat auch eine Delegation unsere Partner vor Ort besucht. Zuletzt war Pastor Reiner Kuhn 2018 in „Weißrussland“, wie der Staat bei uns bis vor kurzem meist genannt wurde.

Für das Magazin reformiert sprach Ulf Preuß, Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Landeskirche, mit Reiner Kuhn. Wir veröffentlichen hier das Interview in Auszügen. Das gesamte Interview finden Sie in reformiert 1/2021.

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Wie positionieren sich Ihre belarussischen Partner im Konflikt zwischen den zehntausenden Demonstranten und den Machthabern im Land?

Mehrheitlich unterstützt die kleine reformierte Gemeinde den friedlichen Protest auf der Straße. Sie stellen Erste-Hilfe-Pakete bereit und verstecken sie am Straßenrand. Manche Gemeindeglieder haben Frauen und Männer aus den Händen der Polizei und der Sondereinheit befreit, ihnen unerschrocken aus den Händen gerissen! Die Solidarität und der Mut sind unglaublich groß!

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Gibt es auch in der Gemeinde Opfer der staatlichen Gewalt?

Zum Glück sind bisher keine Gemeindeglieder misshandelt worden. In der Vergangenheit wurden Gottesdienste durch den Geheimdienst bespitzelt. Und bei früheren Demonstrationen, etwa bei den Wahlen 2010, kam es zu kurzzeitigen Verhaftungen einiger Gemeindeglieder. Die reformierte Gemeinde ist offiziell nicht registriert. Sie erhält keine Förderung wie die belarussische orthodoxe Kirche, geschweige denn staatliche Gelder. Das macht sie angreifbar und zerbrechlich, gleichzeitig aber auch unabhängig und beweglich. Während der Proteste in den letzten Monaten hat mein Hauptansprechpartner durch staatlichen Druck seine Beschäftigung verloren.

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Gibt es Äußerungen Ihrer belarussischen Partner dazu, wie wir aus Deutschland ihnen helfen und beistehen können?

Unsere Partnergemeinde fordert uns auf, auf möglichst allen Kanälen die friedliche Demokratiebewegung zu unterstützen. Der Freiheitskampf auf der Straße ist auch ihr Kampf um religiöse Selbstbestimmung und Anerkennung. Und sie bittet uns, für die Menschen in Belarus zu beten. Eine konkrete Hilfe wären geistliche Patenschaften für politisch Inhaftierte. Dies schafft Öffentlichkeit und fördert bessere Haftbedingungen und rechtlichen Beistand. Die EKD – vielleicht ja auch unsere Landeskirche – könnte diese Unterstützung erwägen.