Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg

Bleibet hier und wachet mit mir

Die Festnahme der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete durch italienische Behörden Ende Juni auf Lampedusa hat die Rettung Geflüchteter auf dem Mittelmeer erneut ins Zentrum des medialen Interesses und der öffentlichen Diskussion gerückt. Das ist eine gute Nachricht. Eine gute Nachricht war auch, dass Carola Rackete relativ schnell wieder frei kam.

Das beharrliche Engagement der privaten Seenotretter ist bewundernswert; sie handeln konsequent und gehen dabei auch persönliche Risiken ein. In der allgemeinen Empörung über die Kriminalisierung der Retter droht jedoch das Schicksal der zu Rettenden, der Geretteten und der nicht Geretteten, sondern im Mittelmeer Ertrunkenen mitunter in Vergessenheit zu geraten.

Angesichts dessen war es uns im Kirchenrat ein Bedürfnis, etwas zu tun, das die öffentliche Aufmerksamkeit für die Bootsflüchtlinge wachhält und auf die Notwendigkeit politischen Handelns hinweist. Wir haben uns sehr gefreut, dass unser Vorschlag einer gemeinsamen Initiative zum Thema Rettung Geflüchteter auf dem Mittelmeer bei den anderen Hamburger Citykirchen spontan großes Echo fand.

Seit dem 22. August und noch bis in den November hinein versammeln sich nun immer donnerstags um 17.15 Uhr Menschen an der Hauptkirche St. Petri und beten und demonstrieren unter dem Motto „Seenotrettung. Jetzt!“ Auch die Pastores unserer Gemeinde beteiligen sich an den Andachten: Rainer Kuhn am 26. September, Thomas Raape am 3. Oktober. Kommen Sie donnerstags dazu und unterstützen Sie das Anliegen!

Die Seenotrettung darf nicht allein in privater Hand liegen; sie ist eine staatliche Aufgabe. Doch es geht nicht nur um die Rettung der Menschen in den Booten vor dem Ertrinken. Die EU-Staaten müssen sich dringend auf ein Verfahren zur Verteilung der Geretteten innerhalb Europas einigen und eine gemeinsame Migrationspolitik entwickeln, die sichere und legale Fluchtrouten ermöglicht. Diese Forderungen formulierten bereits Anfang Juni der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und Leoluca Orlando, der Bürgermeister von Palermo, in ihrem Palermo-Appell. Unsere Gemeinde hat sich diesem Appell gemeinsam mit den anderen Citykirchen angeschlossen.

Wie geht es in der politischen Diskussion weiter? Am 23. September haben sich auf Malta einige EU-Länder auf einen vorläufigen Mechanismus zur Verteilung der Geflüchteten innerhalb Europas geeinigt; Details werden jedoch erst beim Treffen der europäischen Innenminister Anfang Oktober vereinbart. Wir wollen den Prozess durch unser Gebet unterstützen und durch Demonstration dazu beitragen, das öffentliche Bewusstsein für die Notwendigkeit politischen Handelns wach zu halten – solange es nötig ist.