Bibelgesprächskreis

Wie kommt eine Christin vom Stamme Luthers nach jahrzehntelanger Abstinenz von Bibelgesprächskreisen in einen solchen der evangelisch-reformierten Gemeinde?

Es begann alles auf einer Israelreise im Oktober 1995 mit einer Gruppe der Gemeinde um Hermann Keller und Ulrike Litschel. Im Verlauf dieser Reise hatten wir nicht wenige Bibelstellen und Texte an den jeweiligen, nicht unbedingt historischen Plätzen im Heiligen Land „verortet“. Während der Heimreise fragten einige aus der Reisegruppe, wie es weitergehen könnte. Wir wollten nicht einfach so auseinandergehen. Die biblischen Texte waren zwar sehr lebendig für uns geworden, aber wir wollten uns gern noch intensiver mit ihnen beschäftigen. Deshalb verabredeten wir uns einmal im Monat, in der Regel am 3. Montag, zu einem Bibelgesprächskreis zusammenzukommen. Dort stießen schon bald andere Gemeindeglieder zu uns. Es hatte sich wohl herumgesprochen, wie interessant, ja äußerst spannend diese Abende waren.

Zunächst arbeiteten wir die Liste mit Texten unserer Reise ab. Dann beschäftigten wir uns mit Abschnitten aus verschiedenen biblischen Büchern, meistens des Alten Testaments wie z. B. den Psalmen, den Propheten Jesaja, Jeremia, Daniel, Amos, aber auch den Büchern Moses. Dabei gingen wir oft von einer Fragestellung aus wie der nach der Bedeutung des Tempels, des Gesetzes, der Rolle Jerusalems, der Geschichtswerdung eines Halbnomadenstammes oder auch des biblischen Menschenbildes. Natürlich beschäftigten wir uns ebenfalls mit dem jüdischen Jesus und apokalyptischen Texten, wobei wir nur die Offenbarung des Johannes bis heute ausgespart haben. Hierbei war es für mich ziemlich neu, diese Texte nicht mehr nur durch die christliche Brille zu lesen, sondern vor allem zu fragen, wie ein Jude sie verstehen würde.

Erfahrungsgemäß schrumpfen Kreise wie unserer mit der Zeit. Warum dies nach fast siebenjährigem Bestehen bei uns nicht so ist? Einmal mag das an der zwanglosen, aber trotzdem themenorientierten Art der Abende und der fundierten Leitung durch Ulrike Litschel und Hermann Keller liegen. Jeder kann sich mit seinen Fragen, Deutungen, ergänzenden, manchmal auch erheiternden Texten oder Beobachtungen einbringen, denn wir bereiten uns ja vor. Dann liegt es aber wohl auch daran, dass uns zu Beginn oder am Schluss des Treffens immer wieder Israel-Palästina, die politische Lage und die Freunde dort, sowie das von uns unterstützte Projekt „Abrahams Herberge“ beschäftigen. Wir freuen uns, einander wiederzusehen.

Wir sind zwar ein fester Kreis, aber kein geschlossener. Nur wenige der ersten Stunde können leider nicht mehr dabei sein. Dafür begrüßen wir gern neue Interessenten.

Wie kommt eine Lutheranerin in den evangelisch-reformierten Gesprächskreis? Alles klar?

Ingrid Frank

Die nächsten Termine

Mo, 20.09.19:30 Palmaille: Bibelgesprächskreis (Litschel/Keller)