Musicalfreizeit in Ratzeburg

9.-18. Juli 2010

Mit zwanzig Kindern zwischen 7 und 12 Jahren, sieben jugendlichen Helferinnen und Helfern und drei Erwachsenen genießen wir den Sommer am Ratzeburger See. Am Vormittag üben die Chorkinder anderthalb Stunden lang mit Juliane Hausmann das Musical „Das goldene Kalb“, und dann springen erst einmal alle in den See. Die Fußballweltmeisterschaft haben wir natürlich auch genau verfolgt und waren sehr erleichtert, als Deutschland den 3. Platz erreicht hat.

Nachmittags steht wieder Schwimmen auf dem Programm, dazu Spiele auf der Wiese, Requisiten basteln für die Aufführung und Kostümprobe. Drei Geburtstage werden gefeiert, und es wird viel gesungen, getobt und gelacht!

Am Samstag, den 17. Juli, wird die Generalprobe in der Ansveruskirche in Ratzeburg stattfinden. Unterstützt werden die Kinder dabei von den Instrumentalisten Anika Eiben, Dorothea und Bernd Lucke und Andreas Ruth. Sonntag werden die Kinder mit Lampenfieber und viel Enthusiasmus das Musical im Gottesdienst in der Palmaille aufführen. Wir freuen uns darauf.

Ulrike Litschel

Orgelreise nach Ostfriesland

Für eine Reise durch die Orgellandschaft Ostfrieslands fanden sich 30 musikliebende Re- formierte unter der Leitung unserer Organistin Frau Dagmar Lübking sowie dem äußerst ortskundigen Pastor Reiner Kuhn zusammen. In nur vier Tagen hörten wir eine Fülle von Musik aus verschiedenen Jahrhunderten, lernten Orgelgeschichte und Intonationsbesonderheiten der verschiedenen Instrumente kennen. Ostfriesland ist für Orgelliebhaber ein doppelter Glücksfall: Zum einen bietet das Land eine Vielzahl historischer Orgeln verteilt über die ganze Region, zum anderen lag die Restaurierung der Instrumente in der Hand eines kundigen Meisters seines Fachs, dem Orgelbauer Ahrend-Brunzema, uns wohlbekannt als Erbauer unserer schönen Altonaer Orgel.

Am Anreisetag besuchten wir das Organeum in Weener, ein altes Patrizierhaus, das heute eine Sammlung historischer Instrumente beherbergt. Geführt wurden wir vom Landesmusikdirektor Winfried Dahlke, der zeitweilig vergaß, dass er es mit interessierten Laien zu tun hatte und uns mit komplizierter Harmonielehre ziemlich herausforderte. Der Tag endete mit einem halbstündigen Orgelkonzert in der Georgskirche Weener.

In Uttum, Pilsum, Rysum und Westerhusen fanden wir bezaubernde Instrumente, die Frau Lübking uns erklärte und vor allem präsentierte - da gab es 4 Orgelkonzerte an einem einzigen Tag! In Emden wurden wir zwei Stunden durch die Johannes a Lasco Bibliothek geführt (von einer Ehrenamtlichen). Hier gab es zwar keine Orgeln, dafür aber Hunderttausend Bände alter Bücher und eine faszinierende Architektur zu bestaunen. Aus der 1943 völlig zerstörten Alten Kirche wurde ein Gebäude mit einer ganz besonderen Atmosphäre, hervorgerufen durch die „liebevolle Wertschätzung des Alten in Verbindung mit dem Neuen“ (Reiner Kuhn). Danach gab es Schätze aus dem Bestand der Kunsthalle Emden zu besichtigen und Gelegenheit, sich danach bei Sonnenschein und einer Tasse Ostfriesentee zu stärken.

Am Abend dann die Besichtigung der einzigen modernen Orgel, einer Kopie eines alten französischen Instruments von 1734, erbaut 1997 von einem Team dreier Orgelbauer. Das Instrument ist entzückend anzusehen, hat aber einen anderen Klang als die historischen Instrumente.

Den Abschluss unserer Reise bildete ein Gottesdienst in der Reformierten Kirche Leer-Loga, in der wir von Pastorin Christine Kimmich aufs herzlichste begrüßt und empfangen wurden. Die alten Einheimischen waren begeistert, ihren ehemaligen Vikar Reiner Kuhn unter den vielen Fremden zu entdecken, und es gab große Wiedersehensfreude. In der Kirche hängt das Prachtstück eines Kronleuchters, der an diesem Sonntag (uns zu Ehren?) mit echten Kerzen bestückt war und ein wunderbares, mildes Licht verströmte. Gestärkt an Leib und Seele traten wir danach die Heimreise an.

Die Deckel-Inschrift eines alten Cembalos im Organeum lautet: MUSICA DONUM DEI.
Wohl wahr.

Lore Wachsmuth

Optis, Flauten und Kaperfahrt oder: 8 Knoten bei ½ Wind

Bericht von der Segelfreizeit, 15.- 20. Mai 2009

Am Freitag ging es los! Auf zu unserer vierten Segelfreizeit nach Ratzeburg. Bereits einige Tage vorher hatten die Mannen des Bille-Wander-Segel-Vereins gemeinsam mit den vereinten Kräften von Vitali, Sven Schwarz und Reiner Kuhn die 8 Optimisten-Jollen zu unserem Piraten-Nest am Dom-See gebracht. Die Boote lagen erwartungsvoll auf dem Rasen, Masten und Segel waren bereit gestellt, die Leinen aufgeschossen und die Enterhaken gespitzt.

Aber bevor wir auf unsere erste Kaperfahrt gehen konnten, wollten wir doch erst mal segeln lernen. Wir, das waren die Offiziere: Clara, Nils, Jörn, Reiner, die angehenden Piraten, oder besser: 19 Piratinnen und 2 Schiffsjungen und ich, Holger. Erster Segellehrgang beim Bootsmann Jörn: Achtknoten bei halbem Wind, sind das nur vier Knoten? Und warum muss man einen Knoten langsam knüpfen und segelt einen Knoten schnell? Wie viele Piraten gehen in einen Opti, bevor er untergeht? Warum kann man im Zick-Zack gegen den Wind segeln? Warum wird Nils nicht nass? Und, Ole hol mal noch eine Sprit, nein nicht die Cola, sondern die Stenge. Alles klar? Also, die ersten Tage waren schon verwirrend, und überall dieses Seemannsgarn, das sich einem um die Füße wickelt und uns zum Stolpern bringt.

Und dann ist Flaute! Nix. Totenstille. Wasser wie Öl. Zähes Treiben auf dem See. Die ersten gehen über Bord. Zum Baden. Eisig kalt noch das Wasser, drohende Seeungeheuer und Schlingpflanzen in der Tiefe halten die verzweifelte Mannschaft nicht davon ab, sich todesmutig in die Tiefe zu stürzen.

Abends Gelage am Lagerfeuer. Aber statt wildem Gegröle von wüsten Liedern spielt Jörn Kirchentag-Shanties auf der Gitarre. Endlich mal einer auf meiner Seite, denkt Reiner. Die wüsten Lieder wurden dann von den 19 Piratinnen und 2 Schiffsjungen zu meinem Geburtstag gesungen: „Viel Glück und viel Segeln“ oder so...

Wir müssen Antonia befreien! Aus den Händen böser Krankenschwestern im Siechenhaus von Ratzeburg. Sie hatte eins über den Schädel bekommen, im Kampf, lag bewusstlos im Schiff, da haben sie sie geschnappt. Wir also – natürlich bei Nacht – in die Ruderboote. Fackeln werden angezündet, die Säbel liegen bereit. Vier Boote machen sich auf den Weg, bis unter die Zähne bewaffnet, schleichen über den See, am Dom vorbei - ja in welche Richtung? Hm, also das Krankenhaus ist doch etwas weiter vom Wasser entfernt als wir dachten und sooo böse waren die Krankenschwestern vielleicht doch nicht? Inzwischen haben alle Seebeine, niemand füttert mehr die Fische. Eine Hand an die Schot, eine Hand an der Pinne, Dolch zwischen die Zähne, Blick in den Mast und los geht es über den See. Kurz mal zum Yachthafen geschaut, ob dort fette Beute lauert und dann schnell zurück, bevor sie uns erwischen. Richtig hart wird es bei der Regatta. Keine Gefangenen. Da wird dem Teufel ein Ohr abgesegelt. Die Optis krängen stark, die Leinen stöhnen, Gischt spuckt über die Reling. Wer gewinnt? Ist auch egal! Hauptsache die Fetzen fliegen und Kap Horn liegt voraus. Erschauernde Eltern stehen am Ufer mit schweißnassen Händen und umarmen ihre Töchter und Söhne, zurück von wilder Fahrt über den weiten Ratzeburger See. Alle tragen Bart und Augenklappe. Jedenfalls in meiner Erinnerung.

Holger Wendt